Kann jeder klagen und Geld fordern?

Tausende Kunden der Sparkassen, vermutlich auch zukünftig anderer Kreditinstitute, sind an überteuerte Immobilien-Kredite gebunden. Vor einigen Jahren noch, bezifferten sich die regulären Zinsen auf etwa 5 Prozent. Mittlerweile sind die Zinsen derart niedrig, dass bei einer Anpassung des Darlehensvertrages viel Geld gespart werden kann. Eigentlich kann kein Kredit zu besseren Konditionen verändert werden. Doch der Bundesgerichtshof spricht Klartext : tausende Baufinanzierungen gelten als unzulässig und Kunden haben die Chance sich zu wehren.

BGH-Urteil, das ist der Grund

Speziell bei Darlehensverträgen, die in den Jahren 2005-2009 unterzeichnet wurden, stellten die Richter Unregelmäßigkeiten fest. Der Knackpunkt liegt in den jeweiligen Fußzeilen, welche Aussagen über Widerrufsrecht und Maßnahmen zur Belehrung beinhalten. Einige Kunden der zu hoch verzinsten Darlehen klagten und erzielten einen zukunftsweisenden Erfolg.

Ein umstrittenes Zitat aus einem dieser Verträge lautet zum Beispiel „ die Widerrufsfrist beginnt spätestens nach Erhalt dieser Belehrung“. Der BGH kam zum Entschluss, dass derartige Formulierungen den Kunden täuschen und verwirren. Solche Fußnoten erwecken den Anschein der betonten Täuschung und sind demzufolge nicht zulässig bzw. rechtsunwirksam.

Verbraucherschützer klagen schon länger das Geschäftsgebaren einiger Banken an. Ein nicht unerheblicher Umstand ist die Tatsache, dass die Zinsen damaliger Verträge längst nicht mehr dem heutigen Schnitt von nur 1,5 Prozent entsprechen. Somit bietet sich für tausende Sparkassen-Kunden die Möglichkeit, ihre Darlehensverträge zu widerrufen und eine Abänderung der Baufinanzierungsmodelle einzufordern.

Weitere Vorgehensweisen

Bei Verdacht oder sogar Bestätigung, dass der eigene Kredit-Vertrag ins BGH-Urteil einfließt, sollte unbedingt ein Anwalt eingeschaltet werden. Nur dieser ist genau mit dem „Kleingedruckten“ vertraut und kann weitere Schritte einleiten. Sicher wird im zutreffenden Fall der Weg über die Kulanz der Sparkassen gesucht. Sollte sich das Kreditinstitut weigern, seinen Verpflichtungen nachzukommen, bleibt nur der Weg ins Gericht.

Sollte sich aber tatsächlich herausstellen, dass der eigene Vertrag ungültig ist, bestehen sehr gute Chancen auf eine Vertragsabänderung mit niedrigeren Zinsen. Auch eine Nachzahlung bzw. Verrechnung mit der Darlehenssumme steht in Aussicht. Abhängig von der Höhe der Kreditsumme, stehen einige tausend Euro im Raum. Es bietet sich eine lukrative Möglichkeit, viel Geld zu sparen und den überteuerten Baufinanzierungsvertrag zu ändern.

Kann jeder klagen und Geld fordern?

Ganz so einfach ist das natürlich nicht. Wie bei allen geschäftlichen Angelegenheiten, müssen diverse Fristen eingehalten werden. Prinzipiell betrifft das BGH-Urteil alle Kunden, deren Verträge im Zeitraum 2005-2009 abgeschlossen wurden.

Zudem müssen Finanzierungen die bis zum 11.06.2010 unter Dach und Fach gebracht wurden, bis zum 21.06.2016 widerrufen sein. Wer bereits vorher stutzig wurde und „vorsichtshalber“ von seinem Widerrufsrecht Gebrauch gemacht hat, der hat sehr gute Chancen.

Es lohnt sich in jedem Fall, Finanzierungsverträge zu prüfen. Das betrifft nicht zwangsläufig nur die Sparkassen-Kunden. Auch Kreditnehmer sämtlicher konkurrierender Institute, sollten einen genaueren Blick auf ihre Unterlagen werfen. Das aktuelle Urteil des BHG ist zukunftsweisend und stärkt den Verbraucher. Es bleibt abzuwarten, welche Klagewelle sich in Zukunft noch abzeichnet. Mehr lesen Sie auf www.mikrowelle-tests.info